Freitag 20. Januar 2017
Das Bild zeigt Hugues Assou Tatoa OH.

Hugues Assou Tatoa OH

Bruder
Afrika

Die Geschichte meines Werdegangs als Nachfolger des hl. Johannes von Gott begann, als ich im kleinen Dorf, in dem ich vor 32 Jahren geboren wurde, in die vierte Klasse Volksschule ging. Ich interessierte mich damals vor allem für das Ministrieren während der Eucharistiefeier, denn ich war davon überzeugt, dass dies der Weg wäre, um ins Seminar zu kommen und Priester zu werden. Allerdings musste ich bald feststellen, dass man zuerst den Katechismus-Unterricht besuchen und die Erstkommunion feiern muss.

 

Nach der Grundschule besuchte ich das von den Brüdern vom Heiligsten Herzen Jesu geführte Kolleg „Hl. Albert der Große“ in der Diözese Atakapamé. Dort lernte ich Ordensbrüder kennen, die mit jungen Menschen arbeiteten. Ich trat der Jugendgruppe bei, und das öffnete mir die Augen für den spirituellen Reichtum des Ordenslebens.

 

Regelmäßig traf ich den Verantwortlichen für die Berufungspastoral. Er war ein kanadischer Ordensmann, der auch Krankenpfleger war. Durch ihn entdeckte ich meine Berufung zum Dienst an den Kranken. Er war so entgegenkommend. so freundlich, dass ich mir wünschte, seinem Vorbild zu folgen. Ich wollte mich dem Herrn weihen und mich ganz den Leidenden zuwenden, mich ihnen widmen.

 

Nach der Matura beschloss ich, wie meine Mitschüler vom Gymnasium auf die Universität zu gehen. Ich immatrikulierte mich an der medizinischen Fakultät der Universität von Lomé.

 

Nur wenige Monate später spürte ich erneut den starken Wunsch, in einen Orden einzutreten. Da lernte ich die Barmherzigen Brüder vom hl. Johannes von Gott kennen und den Magister der Novizen, Frater Léon Mbengue. Er erklärte mir, dass die Barmherzigen Brüder sich voll und ganz dem Dienst an den Kranken widmen. Ich war überglücklich, denn jetzt hatte ich den Ort gefunden, an dem ich mein Leben verbringen wollte! Ich unterbrach das Medizinstudium und trat 2004 als Postulant in den Orden ein. Zwei Jahre später wurde ich Novize.

 

Heute, nach den spirituellen Studien und der Ausbildung zum Krankenpfleger, erfülle ich mit Freude mein Apostolat an den Kranken. Ich arbeite auf einer Station des Ordenskrankenhauses in Afagnan. Ich bin der einzige Bruder auf dieser Station, und es wundert mich immer wieder, wenn die Kranken und ihre Angehörigen mir sagen, dass sie meine große Geduld schätzen und die Bereitschaft, ihnen zuzuhören, wenn sie jemanden brauchen, der sich ihnen zuwendet.

 

In meinem Brevier liegt ein Zettel mit dem Morgengebet des hl. Franziskus, und jeden Tag bitte ich den Herrn, er möge mir die Kraft und die Weisheit geben, um die Welt mit Augen voller Liebe zu betrachten und geduldig, verständnisvoll und liebevoll zu sein, damit alle Menschen, die sich an mich wenden, seine Gegenwart spüren können.

 

Danach mache ich meinen Rundgang auf der Station und besuche die Kranken. Ich schaue vor allem nach jenen, die sich in einem kritischen Zustand befinden, und bringe ihnen Trost und bete für sie, damit sie wieder gesund werden. Sonntags nach der Messe besuche ich die Kranken nochmals und trage dabei mein Ordensgewand.

 

Ich habe verstanden, dass ich vor allem beten muss, wenn ich für meine kranken Brüder wirklich den barmherzigen Christus verkörpern will. Und dann muss ich auch geduldig sein und bereit, auf den anderen zuzugehen, ihm zuzuhören. Man muss immer darauf achten, verfügbar zu sein, um den Kranken beizustehen und ihre Würde als von Gott geliebte und gewollte Kinder hochzuhalten.

 

Selbstverständlich gibt es Tage, an denen Stress und Müdigkeit sich bemerkbar machen und es mir nicht gelingt, mich den Kranken so zuzuwenden und sie so anzunehmen, wie ich eigentlich möchte. Doch meistens finde ich dann bald die Kraft und Freude wieder, um mich mit neuem Schwung an die Arbeit zu machen.

 

Ich bin glücklich, dass ich meinen kranken Brüdern dienen darf und bitte den Herrn auf die Fürsprache der seligsten Jungfrau Maria, er möge mir weiterhin die Kraft schenken, diesen Weg weiterzugehen, der wahren Liebe entgegen.

Österreichische Ordensprovinz des Hospitalordens des heiligen Johannes von Gott
Taborstraße 16
1020 Wien

ÖSTERREICHISCHE ORDENSPROVINZ

des Hospitalordens des
heiligen Johannes von Gott

"Barmherzige Brüder"

Taborstraße 16

1020 Wien

 

Tel.: 0043 1 21121 1100

Fax: 0043 1 21121 1120

Darstellung:
http://barmherzige-brueder.at/