Freitag 20. Januar 2017
Das Bild zeigt Bartosz Kniefel.

Bartosz Kniefel

Postulant
Polen

Das Postulantat im Orden der Barmherzigen Brüder ist eine Lehrzeit der barmherzigen Liebe.

Als ich mit meinem Dienst auf der Palliativstation des Krankenhauses begann, hörte ich einen Patienten, der mit dem Personal sprach. Seine Worte sind mir in Erinnerung geblieben. Der Patient sagte: „Ihr versteht uns Kranke nicht, denn ihr seid nicht in unserer Lage!“

 

Das hat mich sehr berührt, und gleich darauf habe ich mich gefragt, was ich tun könnte, um ihren Schmerz zu verstehen und sie trösten zu können. Denn man kann nur jemandem helfen, den man versteht.

 

Der hl. Johannes von Gott kam mir zu Hilfe. Er vergleicht den Dienst der Barmherzigkeit mit dem Tod des hl. Bartholomäus. Dadurch wurde mir auf einen Schlag klar: Um meinen Dienst ausüben und mich ganz hingeben zu können, muss ich mein altes, in sich verstricktes und materialistisches Ich ablegen.

 

Will man mit sich im Reinen sein und sich selbst vergessen, muss man alles weltliche Begehren ablegen. Man muss sich entblößen, sich von allem lösen, was einen gefangen hält. Entblößt wie Jesus Christus, der seines Gewandes beraubt wurde. Entblößt, hüllenlos wie jeder leidende Mensch es in den letzten Minuten seines Lebens ist.

 

Man muss sich den Kranken bar alles Menschlich-Weltlichen nähern, mit dem Geist der Liebe im Herzen. Nur Gott im Herzen tragen, wenn man sich den Menschen zuwendet, denen die Krankheit alles genommen hat.

 

Jetzt habe ich verstanden: Will man denen nahe sein, die nichts mehr haben, muss man selbst auf alles verzichtet haben.

 

Doch wenn das Herz woanders ist; wenn der Geist nur auf die Erfüllung der eigenen Wünsche konzentriert ist, kann man dem Nächsten nicht dienen.

 

Wir Barmherzige Brüder müssen „wie die Kranken“ werden, um mit ihnen die gleiche Sprache sprechen zu können. Nur so werden wir den Menschen, denen wir begegnen, mit Petrus sagen können: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi“ – schenke ich dir mein Leben, meine Zeit, meine Hände und meine Füße. Für dich werde ich krank, um Ausdruck der Liebe zu sein, ein Diener in Gottes barmherzigen Händen.

Österreichische Ordensprovinz des Hospitalordens des heiligen Johannes von Gott
Taborstraße 16
1020 Wien

ÖSTERREICHISCHE ORDENSPROVINZ

des Hospitalordens des
heiligen Johannes von Gott

"Barmherzige Brüder"

Taborstraße 16

1020 Wien

 

Tel.: 0043 1 21121 1100

Fax: 0043 1 21121 1120

Darstellung:
http://barmherzige-brueder.at/