Mehr Licht auf unsichtbare Entwicklungsstörungen bei Kindern

Am 1. Juni fand ein Fachvortrag von Prof. William J. Barbaresi vom Childrens Hospital Boston/Harvard Medical School statt. Im Anschluss daran disktutierte eine hochkarätige Expertenrunde über die Entwicklungsmöglichkeiten zur Behandlung von Kindern mit neurogenen Entwicklungsstörungen.

 

Seit Jahren übernimmt das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz im Bereich der Förderung von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen eine gesamtösterreichische Vorreiterrolle. Zu verdanken ist dies einer ganz speziellen Einrichtung: Dem „Institut für Sinnes- und Sprachneurologie“, als Teil des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Linz und speziell der dort angesiedelten „Neurologisch linguistischen Ambulanz“ (NLA).

Und der Bedarf nach einer adäquaten Betreuung und Begleitung ist durchaus gegeben.

 

 

„Wie kommen wir gemeinsam weiter voran?“

„Etwa zehn von 100 Kindern sind von Sprachentwicklungsstörungen betroffen, die sich auf das Lernen, aber auch auf die psychische Entwicklung auswirken können“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Daniel Holzinger, Leiter des Zentrums für Kommunikation und Sprache.

Vor diesem Hintergrund lud das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz am Donnerstag zu einem hochkarätigen besetzten Expertentalk. Mit einem klaren Motto: „Wie kommen wir gemeinsam weiter voran“.

 

Nach einem einführenden Vortrag von Prof. William J. Barbaresi – Direktor des Developmental Medicine Centers/Children Hospital Boston – galt es dann, die zentrale Botschaft zu diskutieren: Wie kann es künftig gelingen, die zu einem großen Teil „unsichtbaren“ Entwicklungsstörungen sichtbar zu machen. Und damit den betroffenen Kindern entsprechende therapeutische Hilfe zukommen zu lassen. Die systematische Erfassung der frühen Sprachentwicklung erlaubt gleichsam wie durch ein „Fenster“ einen Blick in das sich entwickelnde Gehirn zu machen. Auffälligkeiten in der frühen Sprachentwicklung können unter anderem auf  allgemeine Entwicklungsrückstände und Autismusspektrumsstörungen hinweisen.

 

Vonseiten der Experten des „Institutes für Sinnes- und Sprachneurologie“ ist die Zukunftsstrategie eine klare. „Es braucht im Bereich der Entwicklungsmedizin eine flächendeckende Umsetzung eines verbindlichen Sprachscreenings“, fordert Prim. Priv. Doz. Dr. Johannes Fellinger im Gespräch mit Oberösterreichs Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer, der Direktorin der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, Mag. Dr. Andrea Wesenauer, dem Rektor der Johannes Kepler Universität, Dr. Meinhard Lukas und dem Dr. Peter Kahr, Fachgruppenobmann der Kinderärzte in Oberösterreich.

 

Dr. Peter Kahr als Sprecher der Kinderärzte Oberösterreichs; Priv.-Doz. Dr. Daniel Holzinger, Leiter des Zentrums für Kommunikation und Sprache; Prof. Dr. Meinhard Lukas, Rektor der Kepleruniversität Linz; Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer; Frau Ma

Von links nach rechts: Dr. Peter Kahr als Sprecher der Kinderärzte Oberösterreichs; Priv.-Doz. Dr. Daniel Holzinger, Leiter des Zentrums für Kommunikation und Sprache; Prof. Dr. Meinhard Lukas, Rektor der Kepleruniversität Linz; Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer; Frau Mag. Dr. Andrea Wesenauer, Direktorin der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse; Prim. Priv.-Doz. Dr. Johannes Fellinger, Vorstand des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie; Prof. William J. Barbaresi – Direktor des Developmental Medicine Centers/Children Hospital Boston

 

 

Screenings: Forderung nach Regelbetrieb

Dieser betonte, die speziellen Screening-Programme würden derzeit als „freiwilliges Pilotprojekt“ durchgeführt werden. Aber: „Wir Kinderärzte würden uns einen Regelbetrieb wünschen.“ Auf längere Sicht sei das Geld „gut investiert“, ist Kahr überzeugt.

 

Womit das Wort beim zuständigen Finanzreferenten des Landes lag. Landeshauptmann Thomas Stelzer merkte an, dass Oberösterreich bereits viele Schritte in diese Richtung unternommen habe, es aber das Ziel sei, „weiterhin Schritt für Schritt vorwärts zu gehen“. Und: „Vor allem geht es darum, Türen zu öffnen und vor allem auf Türen hinzuweisen. Betroffene Familien müssen wissen, was es alles gibt und brauchen dabei eine gute Begleitung.

 

 

Aufnahme in den Mutter-Kind-Pass

OÖGKK-Direktorin Wesenauer regte an, das Sprachscreening österreichweit in den Mutter-Kind-Pass aufzunehmen, was von allen als klares Ziel bestätigt wurde. Angesichts der Zeitspanne bis zur Realisierung,  wurde von Seiten des Landeshauptmannes Mag. Stelzer die Idee eines oberösterreichischen Pilotprojekts angedacht.

 

Uni-Rektor Meinhard Lukas merkte in seinen Ausführungen an, man „überhöre die Signale nicht“. Es gebe einen „dringende Bedarf, im Bereich der Neuropädiatrie aufzustocken. Da haben wir in Oberösterreich noch Luft nach oben. Und der therapeutische Hebel ist enorm.“ Derzeit arbeite man intensiv daran, ein fakultätseigenes Forschungsinstitut gemeinsam mit dem Institut für Sinnes- und Sprachneurologie für den Bereich der Entwicklungsmedizin aufzubauen. Lukas: „Wir rechnen mit einer Gründung im kommenden Jahr.“

 

Alle Podiumsteilnehmer waren sich darüber einig in der für Oberösterreich bewährten Weise des Dialogs die Entwicklung dieses großen Arbeitsfeldes weiter zu gestalten.  

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