Frater Alfons Maria Höring OH

Gestorben am 20. Juli 2018

Ein Leben nach dem Vorbild des hl. Johannes von Gott und im Dienst an bedürftigen Menschen in Deutschland und Indien ist vollendet.


Frater Alfons wurde in den Wirren des 2. Weltkrieges am 18. September 1943 in Biedenkopf geboren, wohin seine Mutter aus Frankfurt evakuiert worden war, während sein Vater als Soldat im Krieg war.


Er wuchs in Frankfurt am Main auf, ging dort zur Schule und war Ministrant in der St. Bernhardus-Kirche und in einem Schwesternhaus der Armen Dienstmägde Jesu (Dernbacher Schwestern). Er lebte mit seinen Eltern, Geschwistern und der Großmutter in Frankfurt am Main. Mit 17 Jahren wollte er Missionar werden und interessierte sich für einen missionierenden Orden.

 

Er wusste, dass im Unteren Atzemer in Frankfurt Ordensbrüder ansässig sind – die Barmherzigen Brüder des hl. Johannes von Gott. Dorthin konnte er ja zu Fuß gehen und sich erkundigen. Nach einigen Gesprächen ist er dort 1960 in den Orden aufgenommen worden. Der Diener Gottes Frater Fortunatus Thanhäuser war sein Novizenmeister und von ihm wurde Frater Alfons sehr geprägt.

 

Das Bild zeigt Frater Alfons Maria Hoering OH, Barmherziger Bruder – 1943 bis 2018.

Frater Alfons (1943 - 2018)

 


Zeit der Vorbereitung

Er absolvierte vom 7. März 1961 bis zum 7. März 1962 das Noviziat in Frankfurt, das er am 8. März 1962 mit der ersten Profess abschloss. Später besuchte er die dreijährige Krankenpflegeschule am St. Marienkrankenhaus in Frankfurt am Main. Ganz in der Nähe seines elterlichen Hauses.


Er arbeitete im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Frankfurt in allen Abteilungen des Hauses. Bildete sich im Labor und in der Röntgenabteilung, war oft im Einsatz im Operationssaal und half in der Krankenhaus-Apotheke aus, machte auch Nachtdienste – Frater Alfons, ein Mitbruder, überall einsetzbar, sehr fleißig und gewissenhaft.

 

Er war mit zwei weiteren Mitbrüdern vorgesehen, in Indien den Orden neu aufzubauen. Unter ihnen auch Frater Fortunatus. In dieser Zeit war er bereits als Begleiter des Novizenmeisters in der Ausbildung im Noviziat tätig. Als Vorbereitung besuchte er den Kurs für Ordensbrüder im Apostelstift in Köln und bildete sich theologisch weiter. In Irland vertiefte er seine Englischkenntnisse und absolvierte Fortbildungen im Hamburger Tropeninstitut.

 

Seine Feierliche Profess legte er am 29. Juni 1968 in Frankfurt am Main ab.


Vom Brüderkrankenhaus aus konnte er auf seine beiden Taufkirchen sehen, die Kirche seiner Erstkommunion und Firmung sowie seine Ordens-Profess-Kirche, die Kapelle des Brüderkrankenhauses.

 

Das Bild zeigt Frater Alfons Maria Hoering OH, Barmherziger Bruder – 1943 bis 2018.

Frater Fortunatus (li.) und Frater Alfons


Zwischenzeitlich waren bereits einige junge Männer aus Indien zum Eintritt in den Orden nach Frankfurt gekommen und absolvierten ihre Ausbildung. Frater Prakash übte mit den Brüder schon ein wenig die ortsübliche Sprache.

 


Reise nach Indien

Nach langer Reise in Kattappana angekommen, wurden die Brüder herzlich empfangen und wohnten in einem "windschiefen" Gebäude, das auch als Krankenhaus diente. Die Toiletten und die Waschgelegenheit waren außen. Ein sehr armseliger Anfang in Kattappana. Mit dem eigentlichen Bau eines Krankenhauses war bereits begonnen worden und auch Wohnräume für die Brüder waren im Bau. Der Aufbau des Krankenhauses schritt zügig voran und schon sehr bald konnten die ersten Räume genutzt werden.

 

Frater Alfons war in seinem Element und arbeitete fast Tag und Nacht. Alle Materialien mussten aus weit entfernten Städten in die abgelegene Gemeinde Kattappana gebracht werden. Solche Besorgungsfahrten dauerten 2 bis 4 Tage und dann war vieles nicht sogleich verfügbar.

 

Bald interessierten sich mehr junge Männer für den Orden und traten ein. Ein Novizenmeister musste gefunden werden und Frater Alfons hatte große Fähigkeiten, Menschen auszubilden. So wurde er für viele Jahre zusätzlich zum Ausbilder für die jungen Leute in Indien.


Er arbeitete zusätzlich im OP, gab Narkosen, assistierte bei Operationen und bei sehr komplizierten Geburten – normale Geburten waren ja Hausgeburten.

 

In den 60iger Jahren hieß es bei seiner Ausbildung zum examinierten Krankenpfleger in Frankfurt „Männer werden in der Gynäkologie nicht eingesetzt“. Wie gut hätte er da mehr praktische Erfahrungen in Indien gebrauchen können.

 

Das Bild zeigt Frater Alfons Maria Hoering OH, Barmherziger Bruder – 1943 bis 2018.

Feier zum Silbernen Professjubiläum mehrerer Johannes-von-Gott-Schwetsern im Jahr 2014 in Wien

 

 

Aufbau der Ordensprovinz

Der Krankenhausbetrieb wuchs sehr schnell und auch die Zahl der jungen Männer die eintreten wollten stieg stetig an. Es musste ein eigenes Noviziatshaus gesucht werden. Ein Ort, der sich für die Ausbildung eignet und wo auch fremde Ausbilder zur Verfügung stehen.


Frater Alfons suchte und er bekam den Tipp nach Bangalore zu gehen. Dort wurde ihm klar gemacht, dass weitere Orden sich zu dem Zeitpunkt nicht mehr in Bangalore niederlassen können. 1980/81 fand er dann in Poonamallee bei Madras (Chennai) im Bundestaat Tamil Nadu, einen Platz in der Nähe des dortigen Priesterseminars, das von Salesianern geleitet wurde.

 

Nur mit Hilfe der dortigen Patres konnte er ein Stück Land erwerben. Auf dem Grundstück stand ein altes Haus und mit An- und Umbauten konnte es einigermaßen bewohnbar gemacht werden. Als Kapelle und Refektorium dienten Bambus-Hütten.


Die Vorgabe war, dass zum Noviziatshaus zusätzlich auch ein Apostolat, einen Ort an dem der Ordensauftrag gelebt werden soll, einzurichten. Also entstand ein neues Haus für arme, kranke, hilfsbedürftige Männer. Zu den Einrichtungen gehörte auch immer eine Landwirtschaft, die für die Ernährung der Brüder und Patienten notwendig ist.


Frater Alfons entwickelte das Haus immer weiter und es entstand zusätzlich eine kleine Medikamenten-Ausgabestelle für die Slumbewohner aus der Umgebung. Zusätzlich erlernte er hier ein wenig die tamilische Sprache. Er war der Motor für dieses Werk. Die Mitbrüder unterstützen ihn aber seine Gesundheit litt unter den täglichen anstrengenden Aufgaben und dem Klima. 17 Jahre in Indien haben viele Opfer von ihm abverlangt.

 

Das Bild zeigt Frater Alfons Maria Hoering OH, Barmherziger Bruder – 1943 bis 2018.

Feier zum goldenen Professjubilaum von Frater Alfons im Jahr 2013 in Khandwa, Indien

 


Rückkehr aus Indien

Weihnachten 1986 zurück in Deutschland war er zunächst in Frankfurt und dann bald als Novizenmeister in Falkenstein tätig. Seine Gedanken waren aber immer wieder in Indien.


1992 wurde das interprovinzielle Noviziat in Graz-Eggenberg gebildet und Frater Alfons wechselte dorthin, um in der Ausbildung der Novizen tätig zu sein.


Zwölf Jahre war er in Graz-Eggenberg, dann kam er nach Frankfurt zurück. Danach reiste er immer wieder zu Unterrichtsblöcken nach Graz-Eggenberg und ebenso nach Indien. Dort hat er im Noviziat der Brüder und bei den Johannes-von-Gott-Schwestern viele Unterrichtstunden erteilt. Frater Alfons hat die Brüder und Schwestern in Indien sehr geprägt und von der Idee des hl. Johannes von Gott geformt. Die Frucht seiner Arbeit ist in Indien deutlich sichtbar.

 


Früchte seiner Arbeit

2005 wurde der indische Teil des Ordens zu einer eigenen Provinz erhoben, an dessen Aufbau und Leben Frater Alfons großen Anteil hatte. 2005 starb Frater Fortunatus im Ruf der Heiligkeit, der Frater Alfons Leben stark und vorbildhaft geprägt hat.

 

Frater Alfons war gern gesehener Gast bei den Brüdern und Schwestern in Indien. Er bemühte sich sehr um Frater Fortunatus und hat vieles aus seinem Nachlass übernommen und geordnet. Zum Tod von Frater Fortunatus hat er ausführlich dessen Leben beschrieben. Für die Seligsprechung hat Frater Alfons unermüdlich gearbeitet und sich eingesetzt.

 

Das Bild zeigt Frater Alfons Maria Hoering OH, Barmherziger Bruder – 1943 bis 2018.

oben: Frater Alfons (re.) mit Frater Saji Mullankuzhy im Refektorium des Wiener Konventes

 

Das Bild zeigt Frater Alfons Maria Hoering OH, Barmherziger Bruder – 1943 bis 2018.

Frater Alfons in der Wiener Klosterkirche im Jahr 2014


Frater Alfons organsierte Reisegruppen, die Interesse an der Arbeit des Ordens in Indien hatten und begleitete sie auf diesen Reisen. Er war ein Profunder Kenner der Kultur und Lebensart der Inder. Ja man kann sagen, er ist „Inder“ geworden.

 

Viele Erkrankungen und Krankheiten musste er in den letzten Jahren ertragen und immer häufiger sich in ärztliche Behandlung begeben. 2014 wollte er zur Erhebung von Frater Fortunatus zum „Diener Gottes“ nach Indien reisen aber eine schwere Krankheit verhinderte diese Reise. Auch danach konnte er nicht mehr nach Indien reisen. Zu seinen Wünschen zählte es, dass er zum 50-jährigen Jubiläum des Beginns der Aufbauarbeit im November 2019 nach Indien reisen kann und bis dahin ein weiterer Schritt zum Seligsprechungsprozess von Frater Fortunatus erfolgt sein möge.


Frater Alfons war ein sehr praktischer Mensch, er konnte die erlernte Theorie in eine lebensnahe Praxiswelt umsetzen und weitervermitteln. Sein Einsatz für die Menschen war unermüdlich und wo er gebraucht wurde, ließ er sich fordern. Sein Eifer für die Seligsprechung von Frater Fortunatus war pausenlos. Selbst im Krankenbett und in der Reha-Klinik hat er daran gearbeitet.


Nun ist das Lebenswerk von Frater Alfons beendet. In der Glückseligkeit des Himmels wird er alle Menschen wiedertreffen, denen er sehr verbunden war und ihm vorausgegangen sind.

 

Frater Andreas Hellermann OH

Österreichische Ordensprovinz des Hospitalordens des heiligen Johannes von Gott
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    (1495-1550)

 

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