Dienstag 21. Februar 2017

Barbara Cini

Mitarbeiterin
Italien

„Hospitalität” ist Bestandteil vieler Bibelgeschichten, und vor einem Gott, der durch Jesus Christus in die Welt gekommen ist, kann es nur eine gastfreundliche Haltung geben! Diese Dimension liegt insbesondere den Barmherzigen Brüdern am Herzen, denn ihr Ordensgründer, der hl. Johannes von Gott, hat sie ihnen übertragen, es ist ihr Charisma. Es ist eine bedeutende Gnade, die – sozusagen durch direkte Übertragung – auch den Mitarbeitern in den Einrichtungen der Barmherzigen Brüder zugutekommt, also auch mir. Ich nehme an, dies ist auch der Grund, warum ich gebeten wurde, meine Erfahrung zu schildern.

 

Nun, es handelt sich um eine ganz normale Erfahrung, ohne großartige Ereignisse, deren Authentizität aber gerade im Alltäglichen, im einfachen Leben wurzelt. Geht es darum, wie man lernt, Hospitalität zu üben? Nein: Man muss lernen, Hospitalität zu sein!

 

Hospitalität üben bedeutet meiner Ansicht nach, sich zu bemühen, den anderen in seiner Andersartigkeit an- und aufzunehmen, ohne ihm die eigene Lebens- oder Weltanschauung aufzwingen zu wollen. Es ist die Bemühung, in einer beständigen Offenheit zu leben, mit der Bereitschaft, die eigene Routine, die persönlichen Verpflichtungen zurückzustellen. Das ist die erforderliche Haltung, will man für den anderen Raum schaffen und es ihm ermöglichen, „mein Haus“ zu betreten, auch wenn dies unangenehm sein mag. Es gilt, den Gast mit Freude aufzunehmen; alles zu tun, damit er sich wohl fühlt.

 

Ich muss zugeben, immer mehr empfinde ich es als Belastung, in einer Welt zu leben, die mich dazu zwingt, misstrauisch zu sein und mich ihr zu verschließen; eine Welt, in der ich immer weniger Zeit zur Verfügung habe, die mich verwirrt mit all den vielen kulturellen, religiösen, ethischen, wirtschaftlichen Unterschieden. Wie kann ich den „Gast“ in angemessener Weise aufnehmen, wenn ich so sehr um meine eigenen Bedürfnisse, meine Mühen, meine Angelegenheiten konzentriert und besorgt bin, dass ich manchmal die Bedürfnisse der mir nahe stehenden Menschen gar nicht wahrnehme? Aber vor allem: Wie kann ich Hospitalität sein, wenn ich mich selbst nicht zu akzeptieren imstande bin, mit meinen Schwächen und Ängsten?

 

Im Laufe der Zeit, durch den Dienst an alten oder kranken Menschen, habe ich gelernt, dass ich vor allem ernsthaft und eingehend an mir selbst arbeiten muss, um meine Andersartigkeit zu akzeptieren. Dann kann ich auch die anderen besser an- und aufnehmen und für sie da sein. Und diese Arbeit an mir selbst hat mich auch in die Dimensionen einer Gemeinschaft eingeführt: Durch die Barmherzigen Brüder fördert die Kirche Pflege und Hospitalität.

 

In meinem Leben gibt es einige wichtige Menschen, „meine“ Glaubenszeugen. Einer davon ist der ehemalige Patriarch von Venedig, Kardinal Marco Cè. Ihm vertraute ich einmal den Wunsch an, die Arbeitsstelle wechseln zu wollen. Doch er sagte zu mir: „Überleg‘ es dir gut, Barbara! Du hältst einen wertvollen Schatz in Händen, nämlich die Verbindung zu leidenden Menschen, die Möglichkeit ihnen zu dienen, und sei es auch nur, um ihnen einen Augenblick der Erleichterung zu schenken. Das ist eine Lebensschule!“

 

Seit damals habe ich die Aufgabe, Hospitalität zu sein, sehr ernst genommen, mit all der Mühe und den großen Veränderungen, die damit einhergehen – in der Nachfolge Jesu und in Gesellschaft eines großen Heiligen, des heiligen Johannes von Gott, und mit den Barmherzigen Brüdern.

Österreichische Ordensprovinz des Hospitalordens des heiligen Johannes von Gott
Taborstraße 16
1020 Wien

ÖSTERREICHISCHE ORDENSPROVINZ

des Hospitalordens des
heiligen Johannes von Gott

"Barmherzige Brüder"

Taborstraße 16

1020 Wien

 

Tel.: 0043 1 21121 1100

Fax: 0043 1 21121 1120

Darstellung:
https://barmherzige-brueder.at/