Francesco Guarano

Mitarbeiter
Italien

Ich heiße Francesco Guarano und arbeite seit mehr als 30 Jahren in der Einrichtung für psychiatrische und neuromotorische Rehabilitation der Barmherzigen Brüder in Genzano bei Rom. Derzeit bin ich Koordinator der Rehabilitation und unserer Fort- und Weiterbildungen, da ich selbst ausgebildeter Heilerzieher bin.

 

Im Laufe all dieser Jahre habe ich erkannt, dass kein Beruf so reich an Emotionen, Dramen, Erfolgen und Niederlagen ist wie unser Beruf, bei dem man sich der Pflege anderer widmet! Und ich weiß, dass ich mich nicht aus Mangel an Alternativen für diesen Beruf entschieden habe, etwa weil ich als Zwanzigjähriger einen „sicheren Arbeitsplatz“ haben wollte, wie ihn sich heute so viele Menschen wünschen. Bei mir kann man auch nicht von einem „Damaskus-Erlebnis“ sprechen, da ich schon als Jugendlicher sozial tätig gewesen bin. Ich hätte sehr gut einer x-beliebigen Arbeit nachgehen und meinen Einsatz im Sozialbereich und im Freiwilligendienst, so wie ich es bis dato getan hatte, außerhalb eines Angestelltenverhältnisses mit Lochkarten und bürokratischem Aufwand weiterführen können.

 

Ich muss zugeben, dass viele Menschen mein Leben gekreuzt haben, doch ich habe sie nicht wirklich wahrgenommen. Viele Stunden am Tag habe ich in einem Umfeld verbracht, wo Menschen aufgenommen werden, die an Leib und Seele verwundet sind, und habe das nicht einmal bemerkt! Wobei ich darauf hinweisen möchte, dass zu meinen Lektüren durchaus auch die Werke von Franco Basaglia gehörten, der ein großer Mediziner, vor allem aber ein aufgeklärter Mensch war, der denjenigen, die ihrer Würde beraubt worden waren, ihre Würde zurückgab.

 

Früher fand meine sozialer Einsatz außerhalb meiner Arbeitswelt statt – als ob die Stunden und Tage, die ich, wie wir damals sagten, in der „Anstalt“ verbracht hatte, nicht Teil meines Lebens gewesen wären; als ob es all diese Menschen dort nicht gegeben hätte. Viele Jahre habe ich im Bereich der „Andersartigkeit“ gelebt, ohne je zu verstehen, dass diese Andersartigkeit in manchen Fällen sogar eine Bereicherung sein kann. Im Laufe der Jahre haben meine humanistischen Studien mich dazu geführt, die Ausbildung zum Heilerzieher abzuschließen. Der Heilerzieher kümmert sich um den Tagesablauf des psychiatrischen Patienten, und zwar in Hinblick auf dessen Beziehungsfähigkeit und die Förderung seiner Selbstständigkeit.

 

Seit 15 Jahren kümmere ich mich außerdem um die Organisation von Praktika und Fortbildungskursen für Einzelpersonen oder Gruppen aus Einrichtungen, die der unsrigen ähnlich sind. Dies bedeutet, dass ich mit zahlreichen jungen Menschen aus dem sekundären Bildungsbereich zu tun habe – aus Gymnasien, Berufsschulen, Freiwilligenverbänden usw. –, aber auch mit Jugendlichen, die im Rahmen eines eigens von unserer Einrichtung organisierten „Schullagers“ den direkten Kontakt zu unseren Patienten erleben können. In diesem Rahmen erklären wir den Teilnehmern, wer die Barmherzigen Brüder sind, erzählen ihre Geschichte und verdeutlichen vor allem ihr Charisma. Dieses Charisma steht seit Jahrhunderten im Dienste der Verletzlichsten, der Kranken, der Ärmsten dieser Welt, wie der Ordensgründer uns vor mehr als 500 Jahren gelehrt hat.

 

Ich bin mir sicher, meine christliche Berufung in dieser alltäglichen Dimension gefunden zu haben. Sie besteht in dem Bemühen, sich tagtäglich dem psychisch Kranken zuzuwenden – seinem Wahn; seiner Unfähigkeit, sinnvolle Worte zu artikulieren –, der jedoch eine ursprüngliche, tiefe Menschlichkeit zu vermitteln vermag, die uns heute vielfach fehlt.

Taborstraße 16
1020 Wien

ÖSTERREICHISCHE ORDENSPROVINZ

des Hospitalordens des
heiligen Johannes von Gott

"Barmherzige Brüder"

Taborstraße 16

1020 Wien

 

Tel.: 0043 1 21121 1100

Fax: 0043 1 21121 1120

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