Sonntag 26. Februar 2017

Krämereimuseum „Gerstl-Haus“

 

Als einzigartig in Österreich ist die Verbindung zwischen sozialen und kulturellen Belangen in der Lebenswelt Schenkenfelden anzusehen: Im „Gerstl-Haus“ befindet sich nämlich eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Greisslerei, die einerseits als Museum, andererseits als Verkaufsraum für die Produkte aus den Werkstätten der Lebenswelt dient. Somit ist diese kulturelle Einrichtung zu einem lebendigen Museum geworden.


Gleichzeitig können Kulturinteressierte auch die alte Poststelle sowie eine ländliche Biedermeierstube und den alten Pferdestall (den heutigen Andachtsraum) besichtigen, um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie man als wohlhabender Marktbürger lebte.


Eine Besonderheit stellt mit Sicherheit das, bei den Renovierungsarbeiten im Gerstl-Haus, gefundene Fortepiano der Klaviermanufaktur „Anton Walter und Sohn“ aus dem Jahre 1813/14 dar.



Öffnungszeiten:


Das Museum ist vom 1. Mai bis 30. September jeden Sonntag zwischen 14.00 und 17.00 Uhr geöffnet, Gruppenführungen sind jedoch nach Voranmeldung während des ganzen Jahres möglich. Auch zu diesen Zeiten ist der Erwerb der Produkte aus der Lebenswelt möglich.


Für nähere Informationen zum Museum, dessen Einrichtung und Konzeption siehe auch: http://www.museumsstrasse.at/

 

Mit der Entwicklung des Hammerklaviers zum eigentlichen Soloinstrument und dem Aufstieg Wiens zum absoluten Zentrum des Klavierbaus Ende des 18. Jahrhunderts, beheimatete die österreichische Hauptstadt mehrere hundert Klavierbaufirmen, einige davon mit international hohem Ansehen. Zu ihnen gehörte auch der 1780 aus Deutschland in die Kaiserstadt gekommene Anton Gabriel Walter (1752-1826), der in seiner im Stadtteil „Leimgrube“ gelegenen Werkstätte Instrumente unvergleichbarer klanglicher Qualität fertigte. Das „Dreigestirn“ der Wiener Klassik schätzten die Flügel der Walter’schen Produktion sehr und zog sie zum Teil den anderen sogar vor: Anton Walter belieferte die Schlösser des Fürsten Esterházy, so besaß Joseph Haydn selbst einen „Walter“ und empfahl diese Instrumente gerne weiter. Auch Ludwig van Beethoven bestellte noch 1802 einen neuen Flügel, der allerdings aufgrund der technischen und finanziellen Vorstellungen des Komponisten nicht geliefert werden konnte. Als wohl berühmtester „Walter-Spieler“ ist Wolfgang Amadeus Mozart bekannt, der nicht nur zu Hause seinen Gästen auf diesem herrlichen Instrument vorspielte, sondern mit ihm auch auf Konzertreisen ging.


Ab 1792 fertigte Anton Walter in seiner Werkstätte zusammen mit seinem Stiefsohn Joseph Schöffstoß Hammerklaviere – eben jene mit „Anton Walter und Sohn“ beschilderte Klaviere, wie das in Schenkenfelden. An den Instrumenten der Firma orientierten sich Wiener Klavierbauer der folgenden Generation, denn sie waren bedeutend tragfähiger im Ton und dank einer verbesserten Mechanik zuverlässiger und belastbarer; nicht zuletzt prägten die Klaviere Anton Walters auch wesentlich den berühmten „Wiener Klangstil“.


Von den zahlreichen Instrumenten, die die Werkstätte verließen, sind nur wenige erhalten geblieben, ja aus dem Jahre 1813/14, aus dem auch der Walter-Flügel im Gerstl-Haus stammt, sollen Experten zufolge lediglich drei Exemplare die Wirren der Zeit überlebt haben – von diesen ist allerdings das Instrument in Schenkenfelden zur Zeit das Einzige, das in Konzerten mit seinem faszinierenden, unnachahmlichen und für die Klaviere der Walter’schen Manufaktur typischen Klang noch immer verzaubert.

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